Wie war das damals mit der Liebe?

Margit Rainer ist 68 Jahre alt und lebt in einem Wohnhaus am Rosenhain. Sie erinnert sich zurück und erzählt über ihre Erlebnisse in Sachen Liebe.


In jungen Jahren – als ich zwischen 13 und 30 Jahre alt war – war mein Kopf voll mit Liebe und Partnerschaft. Meine Eltern waren sehr streng. Ich wäre so gerne mit meiner Schulkollegin weggegangen, um jemanden kennen zu lernen. Meine Eltern hatten Angst, dass ich in falsche Hände gerate oder einen Unfall habe. Außerdem musste ich im Geschäft jede freie Minute aushelfen.

1990 bin ich mit Mutter und Brüder nach Graz gezogen. Ich war etwa 40 Jahre alt, wollte mir keine Vorschriften mehr machen lassen und bin trotzdem weggegangen. Beim Tanzen habe ich einen Mann kennen gelernt und mich total verliebt. Aber jedes Mal, wenn wir uns getroffen haben, hat er mir eine leere Pralinenschachtel geschenkt. Irgendwann hat es mir gereicht – ich wollte nicht mehr.


Verlobt – und wieder getrennt

Einmal war ich verlobt. Ich bekam einen wunderschönen Ring. Aber meine Familie wollte um keinen Preis eine Hochzeit. Die größten Bedenken waren ein Kind. „Das geht nicht, du kannst mit einem Kind nicht umgehen“, habe ich immer wieder gehört. Der Kinderwunsch war stark, aber ich hatte große Bedenken – die sind mir eingeredet worden.

Margit Rainer trägt eine Brille und ein rotes T-Shirt. Sie sitzt und hält zwei Gläser mit selbstgemachter Marmelade in der Hand

Margit Rainer erinnert sich zurück:
“In jungen Jahren – als ich zwischen 13 und 30 Jahre alt war – war mein Kopf voll mit Liebe und Partnerschaft. Aber meine Eltern waren sehr streng.”


Aber vielleicht war es besser so. Mein Verlobter war sehr eifersüchtig und hat mich bestraft, indem er keine Notiz von mir genommen hat. In so einer Situation war ich sehr traurig und wütend zugleich. Mit meinen Gefühlen wurde ich komplett alleine gelassen. Das war auch der Grund unserer Trennung.

Freundschaft ist heute wichtiger

Heute bin ich alleine, ohne Partner. Ich lebe glücklich am Rosenhain und freue mich über meine Freunde, die mir die ganzen Jahre über treu geblieben sind. Auch in der schweren Zeit, als ich durch einen Unfall fast mein Bein verloren hätte. Freundschaft ist jetzt im Alter wichtiger als Partnerschaft. Meine Freunde sind meine Familie. Ich bin glücklich, so wie es gekommen ist, und so, wie es jetzt ist.


Text: Margit Rainer

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