Im Interview mit einer Cosplayerin

Melanie Kaiser ist 28 Jahre alt und ist eine Hobby-Cosplayerin. Was genau ist Cosplay? Und was macht man dabei? Lest das Interview von Redakteurin Denise Rabitsch und findet es heraus!


Was genau ist eigentlich Cosplay?

“Cosplay” kommt von “Costume Play”. Das heißt, du versetzt dich in die Rolle eines Charakters, der du gern sein möchtest. Sowohl vom Äußerlichen als auch vom Verhalten. Indem du dich als dieser Charakter verkleidest und dich in ihn hineinversetzt, lebst du deine Fantasie, so sein zu wollen wie dieser Charakter.

Cosplay kommt aus Japan und ist hauptsächlich in der Anime/Manga/Gaming-Szene vertreten. Natürlich kannst du dich auch als ein Charakter aus einer Fernseh-Serie, die kein Anime ist, verkleiden.


Bei Schauspielerei versetzt man sich auch in eine andere Figur hinein. Was ist der Unterschied zu Cosplay?

Sowohl beim Schauspiel als auch beim Cosplay spielt die Leidenschaft dafür eine Große Rolle. Oft wird dir bei Schauspielerei ein Charakter vorgegeben, beim Cosplay kannst du es dir frei aussuchen. Du kannst dir auch aussuchen, ob du das Kostüm kaufen oder selbst anfertigen möchtest. Deswegen sehe ich den Unterschied darin, dass Schauspiel “Arbeit” und Cosplay ein Hobby ist. Den Begriff Arbeit setze ich bewusst unter Anführungszeichen, da es ja trotzdem Spaß macht.


Was hat dich inspiriert Cosplay zu machen?

Ich mag Animes und Mangas sehr gerne. Beim Cosplay hat man die Möglichkeit, ein anderer Charakter zu sein, in den man gern hineinschlüpft.

Vor allem dieses Kostüm aufzubauen, von Anfang an. Jedes einzelne Stück von diesem Kostüm zu machen, sei es Waffe, sei es Kleidung, sei es, die Perücke zu stylen, das Make-up oder kleine Einzelteile, wie Schmuck, zu machen. Die Liebe fürs Detail, seine eigene Kreativität auszuleben, etwas mit seinen eigenen Händen zu erschaffen und es mit Stolz zu tragen, das ist das Faszinierende dabei. Es inspiriert mich weiterzumachen.

Auch spielen die jährlichen Conventions dabei eine Rolle, da man sich dort mit seinen Freunden treffen kann.


Was war dein erstes selbstgemachtes Cosplay?

Mein erstes Cosplay war Lucy aus dem Anime Elfenlied.


Wie bist du dein Lucy-Cosplay angegangen?

Lucy ist ein sehr anfängertauglicher Charakter, da sie normale Kleidung trägt. Ich habe einfach ein paar Dinge zusammengestellt, wie ein schwarzes Kleid und ein paar Strümpfe. Lucys Hörner habe ich aus Fimo (eine Art Knete, die nach dem Formen im Ofen ausgehärtet wird) geformt, angemalt und so meine ersten Erfahrungen gesammelt.


Wie lange hast du für dein erstes Cosplay gebraucht?

Circa 5 bis 6 Stunden, über mehrere Tage verteilt.


Wie war es für dich das erste Mal in einem Cosplay nach draußen zu gehen?

Ein Beispiel: Wenn du zu Fasching schon in der Früh verkleidet rumrennst, schauen dich die Leute ungefähr gleich an.

Alleine hätte ich mich beim ersten Mal auch nicht getraut. Es waren immer Freunde dabei, die auch verkleidet waren. Das heißt, ich war nicht alleine. Dadurch fühlt man sich nur ein bisschen aus der Norm. Irgendwann wird es einem egal und man blendet die Leute aus, die einen komisch anschauen. Ich habe aber durchaus positive Rückmeldungen bekommen, da es ja Menschen auch fasziniert.


Welches Cosplay war dein Liebstes?

Mipha aus dem Spiel The Legend of Zelda: Breath of the Wild. Ich habe in dieses Cosplay am meisten Zeit investiert. Ungefähr 1 ½ Wochen mit Schlafpausen. Ich habe an diesem Cosplay am meisten gebastelt. Es gab so viele verschiedene Komponenten, wie Nähen, Malen, Fimo, Worbla (ein Material, das durch Wärme formbar wird) oder Schaumstoff. Ich musste überlegen, wie ich jedes einzelne Teil angehe. Selbst Bauschaum war dabei.


Melanie Kaiser in ihrem liebsten Cosplay, der Figur Mipha aus dem Spiel The Legend of Zelda.

Es gab viel Vorbereitungsarbeit. Ich musste alles genau planen. Vom Schnittmuster über die Waffe bis hin zu den einzelnen Schmuckteilen. Ich habe den ganzen Schmuck selbst gemacht und die Teile alle zusammengesetzt. Ich habe viele Teile selbst gezeichnet, geformt und an meinen Körper angepasst.

Es war mein aufwendigstes und auch mein liebstes Cosplay. Ich liebe es zu tragen. Ich bin sehr stolz auf dieses Cosplay, weil es das erste ist, mit dem ich auch einen Preis bei einem Wettbewerb gewonnen hab.


Was war das für ein Gefühl bei einem Cosplay-Wettbewerb zu gewinnen?

Ich war sehr nervös. Ich war froh, dass ich nur mein Cosplay herzeigen musste. Ich war ein wenig panisch, weil mir kurz vorher eine Kette gebrochen ist, die wir schnell irgendwie repariert haben. Aber es war trotzdem sehr aufregend. Ich war sehr stolz, als ich den ersten Platz gewonnen habe. Es war ein schönes Gefühl.


Was würdest du all den Menschen da draußen sagen, die sich auch an Cosplay versuchen wollen?

Traut euch! Es wird mit jedem Cosplay kreativer. Man traut sich immer mehr. Egal, ob man das Cosplay selber macht oder sich ein Kostüm kauft. Es geht um den Charakter, der man sein möchte. Und es macht so Spaß, einfach mal kurz die Welt zu vergessen. Auch wenn viele sagen, dass man sich in einer realitätsfremden Welt versteckt, steigert es das Selbstbewusstsein, wenn man so sein kann, wie man möchte. Wenn es ein Teil von dir ist, dann kannst du diesen auch selbstbewusst zeigen. Es ist umso leichter, wenn du Gleichgesinnte hast, die mit dir diese Leidenschaft ausüben. Also ab auf Conventions!


Text und Foto: Denise Rabitsch

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